Über den Treppenturm im Ohlystift



Das Ohlystift in Gräfenhausen ist heute Altersheim, ursprünglich war es aber gebaut als Wasserburg, die später in ein Schloß umgebaut wurde. Die Burg war Reichslehen, unterstand also direkt dem Kaiser. Mit dem Dorf Gräfenhausen, das ein Lehen des Bischofs von Würzburg war, hatte sie nur den Besitzer gemeinsam. Besitzer waren die Herren von Heusenstamm, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts umfangreiche Umbauten und Verbesserungen vornahmen. Der älteste noch heute erhaltene Teil, der aus dieser Zeit stammt, ist der Treppenturm des ehemaligen Hofhauses.




Über der Tür zeigt er das Wappen seiner Erbauer. Die Inschrift lautet "Hans Henrich von Heusenstamm und Margreta von Kronberg 1555"

Der Turm wurde also im Jahr 1555 fertiggestellt und hat schon einiges überdauert. Z. B. den 30jährigen Krieg, als am 13. November 1639 etwa 200 Reiter der bayrischen Armee das Vorwerk des Schlosses überfallen und geplündert haben. Auch 1819, als Teile des Schlosses auf Abbruch verkauft wurden und das Hofhaus, zu dem der Treppenturm den Zugang bildete, versteigert wurde.


Erst 1889 wurde wieder ein zweistöckiges Gebäude angebaut. Damals richtete die Stadt Darmstadt eine Fürsorgeanstalt für verwahrloste, leiblich und sittlich gefährdete Kinder ein. Eine alte Gräfenhäuserin berichtet, dass ihre Mutter erzählte, in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg habe der Treppenturm auf seinem Dach eine Wache gehabt. Die Wächter seien schwarz gekleidet gewesen. Sie hätten aber einen rotem Helm getragen und keine Schuhe angehabt, sondern die Füße mit schwarzen Fußlappen umwickelt gehabt, die an den Gamaschen befestigt wurden. Ob die Wächter großherzogliche Soldaten waren, die die Fürsorgezöglinge bewachten? Auch war die Turmspitze mit einer Fahne geschmückt. Im 2. Weltkrieg war ein Beobachtungsposten auf dem Dach untergebracht. Die heutige Dachform erhielt der Turm erst nach dem Krieg.